#SnackOnMarketing 3 – Das Phänomen negativer Preise // The Phenomenon of negative prices

In Zeiten steigender Preise scheinen die während der Pandemie aufgrund von entstandenen Überkapazitäten teilweise geltenden negativen Preise für Öl und Strom schon unwirklich lange her zu sein… Allerdings treffen wir negative Preise auch in vielen anderen Branchen sowie Produkt- und Dienstleistungskategorien an. 

Negative Preise laufen der Gesetzmäßigkeit und Logik von Austauschprozessen zuwider, dass man für ein erhaltenes Gut eine angemessene Gegenleistung erbringen muss, was üblicherweise in Form der Zahlung einer Geldsumme geschieht. Es kommt überhaupt erst dann zu einer Transaktion, wenn aus Sicht des Käufers der wahrgenommene Nutzen des Gutes mindestens so groß ist wie der dafür verlangte (positive) Preis. Auch für Anbieter ist der Verkauf eines Produktes prinzipiell nur dann sinnvoll, wenn der Preis die variablen Kosten pro Einheit übersteigt. Was zunächst kontraintuitiv erscheint, lässt sich dadurch erklären, dass bei einem großen Angebotsüberhang kein positiver Preis und selbst ein Preis von Null nicht ausreichen, um das Überangebot zu reduzieren. Die Käufer erhalten als Anreiz für die Abnahme einer nicht benötigten Menge eines Gutes eine Zahlung, damit Angebot und Nachfrage zum Ausgleich kommen können. Auf einigen zweiseitigen Märkten haben sich negative Preise seit längerer Zeit etabliert. Aufgrund des während der Corona-Krise notwendigen Abbaus der Angebotsüberhänge sind negative Preise nunmehr viel häufiger anzutreffen. Die bei digitalen Gütern möglichen Grenzkosten von nahezu Null und intensive Preiskämpfe in vielen Branchen lassen eine höhere Frequenz des Einsatzes erwarten. Ebenso sehen sich Banken durch die Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank veranlasst, negative Zinssätze an die Verbraucher weiterzugeben. Negative Preise werden temporär sogar als Promotion-Instrument bei der Einführung neuer Produkte und als Anreiz im Rahmen der Neukundenakquisition eingesetzt, um das psychologische Motiv der Verknappung zu nutzen.

In #SnackOnMarketing widme ich mich dem Phänomen und Paradoxon der negativen Preise.

In times of rising prices, the negative prices for oil and electricity, which sometimes applied during the pandemic due to overcapacity, seem unreal a long time ago… However, we also find negative prices in many other industries and product and service categories.

Negative prices run counter to the legality and logic of exchange processes, that an appropriate consideration must be given for a good received, which usually takes the form of a payment of a sum of money. A transaction only occurs when, from the buyer’s point of view, the perceived benefit of the good is at least as great as the (positive) price demanded for it. In principle, the sale of a product only makes sense for suppliers if the price exceeds the variable costs per unit. What initially seems counterintuitive can be explained by the fact that when there is a large oversupply, no positive price and even a price of zero are not sufficient to reduce the oversupply. Buyers receive payment as an incentive to purchase an unneeded quantity of a good, so that supply and demand can be balanced. Negative prices have been established in some two-sided markets for a long time. Due to the need to reduce the supply surplus during the Corona crisis, negative prices are now much more common. The marginal costs of almost zero that are possible with digital goods and intensive price wars in many sectors mean that a higher frequency of use can be expected. Likewise, the negative interest rate policy of the European Central Bank has prompted banks to pass on negative interest rates to consumers. Negative prices are temporarily even used as a promotional tool when introducing new products and as an incentive when acquiring new customers in order to use the psychological motive of shortages.

In #SnackOnMarketing I address the phenomenon and paradox of negative prices.