„Geschäft statt Tradition? Warum RB Leipzig immer noch die Fußball-Nation spaltet.“ Prof. Dr. Sören Bär als Experte in einer MDR Investigativ-Dokumentation. // „Business instead of tradition? Why RB Leipzig is still dividing the football nation.“ Prof. Dr. Sören Bär as an expert in an MDR investigative documentary.

Foto//Photograph: Prof. Dr. Sören Bär im Gespräch mit Carmen Salas // Conversation of Prof.Dr. Sören Bär and Carmen Salas (Quelle//Source: Screenshot)

Die MDR Investigativ-Filmdokumentation „Geschäft statt Tradition? Warum RB Leipzig immer noch die Fußball-Nation spaltet.“ von Milan Schnieder, Matthias Engel und Carmen Salas basiert auf dem qualitativen Forschungsprojekt „Fußballkultur in Leipzig – Tradition vs. Kommerz“ von Prof. Dr. Sören Bär, in dem untersucht wurde, welchen Einfluss die Gründung von Rasenballsport Leipzig im Jahre 2009 auf die Leipziger Fußballkultur ausübte und wie sich die Fans der beiden mitgliedergeführten Traditionsclubs 1. FC Lokomotive Leipzig und BSG Chemie Leipzig dazu positionieren.

Leipzig ist eine Stadt mit einer langen Fußballtradition und die Leipziger Fußballhistorie durch eine Vielzahl bedeutsamer Ereignisse geprägt. Die Gründung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erfolgte am 28. Januar 1900 in der Leipziger Gaststätte „Mariengarten“. 1903 errang der VfB Leipzig als Vorgängerverein des 1. FC Lokomotive Leipzig die erste deutsche Fußballmeisterschaft überhaupt und gewann den Titel auch in den Jahren 1906 und 1913. Der 1. FC Lok errang 1976, 1981, 1986 und 1987 jeweils den FDGB-Pokal und zog 1974 ins UEFA-Cup-Halbfinale und 1987 sogar ins Finale des Cups der Pokalsieger ein. Die BSG Chemie Leipzig avancierte 1951 und 1964 als legendärer „Rest von Leipzig“ zum DDR-Meister. Auf die beiden Vereine verteilten sich seit jeher die Sympathien der Fußballfans in der Stadt und in deren Umland.

Mit dem auf Kriegstrümmern erbauten Leipziger Zentralstadion wurde 1956 das größte je existierende deutsche Stadion mit 110.000 Sitzplätzen als „Stadion der Hunderttausend“ eingeweiht, wo am 09. September 1956 100.000 Zuschauer das Stadtderby zwischen dem SC Rotation Leipzig und dem SC Lokomotive Leipzig sahen –  ein bis heute gültiger Zuschauerrekord für Fußball-Punktspiele in Deutschland. Das Aufeinandertreffen zwischen dem 1. FC Lokomotive Leipzig und der BSG Chemie Leipzig ist nach dem Münchner Stadtduell das am häufigsten ausgetragene deutsche Fußballderby.

Prof. Dr. Sören Bär (Universität Bayreuth) wird in der Dokumentation ab 24:26 min als Experte für Sportmarketing hinzugezogen und erläutert Moderatorin Carmen Salas, dass entsprechend seiner Forschungsergebnisse der „Bandwagon Effect“, auch als Gewinner- oder Mitläufereffekt bezeichnet, in hohem Maße die Ursache dafür ist, dass RB Leipzig Anhänger findet. Für viele Fans ist es erstrebenswert, Teil eines erfolgreichen Projektes zu sein und damit selbst zu den Gewinnern zu gehören. Im Sport manifestiert sich der Bandwagon Effect in der Bevorzugung von Sportclubs, die ohnehin bereits sehr erfolgreich sind, durch so genannte „Fair Weather Fans“ bzw. „Erfolgsfans“. So besitzt der FC Bayern München als erfolgreichster deutscher Fußballclub zahlreiche Anhänger im In- und Ausland, weist allerdings auch einen hohen Anteil des so genannten „Operettenpublikums“ im Stadion auf, das den Spielen – ähnlich wie bei der Aufführung eines Bühnenstücks – eher zurückhaltend und andächtig beiwohnt, ohne die eigene Mannschaft wahrnehmbar zu unterstützen.

Zudem ist es typisch, dass ein so stark polarisierendes kommerziell orientiertes Konstrukt wie RB Leipzig entweder enormen Zuspruch oder vehemente Ablehnung erfährt. Es gibt nur wenige Menschen, die sich neutral verhalten oder keine Meinung zu der Konzeption des von der Red Bull GmbH mit Sitz in Fuschl am See (Österreich) alimentierten Clubs haben. Das Engagement des Red Bull-Gründers und Milliardärs Dietrich Mateschitz stößt deutschlandweit überwiegend auf rigorose Ablehnung. Auf der anderen Seite verfügt der Club inzwischen über eine eingeschworene Anhängerschaft, die sich mit einer „Wir gegen alle“-Mentalität gegen Anfeindungen behauptet. Diese Gesetzmäßigkeit der Polarisierung lässt sich auch daran erkennen, dass der bereits erwähnte FC Bayern München sowohl der beliebteste als auch der meistgehasste Fußballclub Deutschlands ist.

Neben Prof. Dr. Sören Bär wurden auch Prof. Dr. Henning Zülch von der Handelshochschule Leipzig und Ulrich Wolter, Chief Relationshop Officer bei RB Leipzig, interviewt. Zudem präsentiert der Rapper und Borussia Dortmund-Fan M.I.K.I seinen Song „ANTI RB (In der Sache vereint)“.

Die Dokumentation wurde im MDR Fernsehen im Format „EXAKT – Die Story“ ausgestrahlt und erreichte als „exactly“-Video auf YouTube seit dem 21.08.2023 bereits mehr als 307.000 Zugriffe. Es ist auch in der ARD-Mediathek abrufbar.

Foto//Photograph: Prof. Dr. Sören Bär im Gespräch mit Carmen Salas // Conversation of Prof. Dr. Sören Bär and Carmen Salas (Quelle//Source: Milan Schnieder)

The MDR investigative film documentary „Business instead of tradition? Why RB Leipzig is still dividing the football nation“ by Milan Schnieder, Matthias Engel and Carmen Salas is based on the qualitative research project „Football culture in Leipzig – tradition vs. commerce“ by Prof. Dr. Sören Bär, which investigated the influence that the founding of Rasenballsport Leipzig in 2009 had on Leipzig’s football culture and how the fans of the two member-run traditional clubs 1. FC Lokomotive Leipzig and BSG Chemie Leipzig position themselves on this.

https://youtube.com/watch?v=eoe_jOywKkM%3Fsi%3Dw2fbcuWG_gUi4OuG

Leipzig is a city with a long football tradition and Leipzig’s football history is marked by a number of significant events. The German Football Association (DFB) was founded on January 28, 1900 in the Leipzig restaurant „Mariengarten“. In 1903, VfB Leipzig, the predecessor club of 1. FC Lokomotive Leipzig, won the first ever German football championship and also won the title in 1906 and 1913. 1. FC Lok won the FDGB Cup in 1976, 1981, 1986 and 1987 and reached the UEFA Cup semi-finals in 1974 and even the Cup Winners‘ Cup final in 1987. BSG Chemie Leipzig became GDR champions in 1951 and 1964 as the legendary „Rest of Leipzig“. The sympathies of football fans in the city and its surrounding area have always been divided between the two clubs.

The Leipzig Central Stadium, built on the ruins of the war, was the largest German stadium ever with 110,000 seats and inaugurated in 1956 as the „Stadium of the Hundred Thousand“. On September 9, 1956, 100,000 spectators watched the city derby between SC Rotation Leipzig and SC Lokomotive Leipzig – an attendance record for football matches in Germany that still stands today. The encounter between 1. FC Lokomotive Leipzig and BSG Chemie Leipzig is the most frequently played German football derby after the Munich city derby.

In addition to Prof. Dr. Sören Bär, Prof. Dr. Henning Zülch from the Leipzig Graduate School of Management and Ulrich Wolter, Chief Relations Officer at RB Leipzig, were also interviewed. In addition, the rapper and Borussia Dortmund fan M.I.K.I presents his song „ANTI RB (United in the matter)“.

The documentary was broadcast on MDR television in the format „EXAKT – Die Story“ and has already reached more than 307,000 hits as an „exactly“ video on YouTube since August 21, 2023. It is also available in the ARD media library.